Fritz Zürn, Schiffskoch auf der Titanic

Fritz Zürn erlernte den Beruf Koch und Konditor in seinem Heimatort Gemmrigheim (Baden-Württemberg). Im Alter von 17 Jahren suchte er in England sein berufliches Glück. Dort arbeitete er zunächst als Bäcker und lernte später im Hotel "Ritz" weiter in seinem Koch-Beruf.

Nach Beendigung dieser Ausbildung fuhr er auf der Yacht des Herzogs von Westminster um die Welt, anschließend bei der britischen "Cunard White Star Line" auf der "Olympic". Nach Fertigstellung von deren Schwesterschiff "Titanic" wollte Fritz übernommen werden und heuerte kurz vor deren Abfahrt in Southampton an. Vermutlich ist das der Grund, warum man ihn nicht in den vorhandenen Personallisten des Schiffes findet.

Die Katastrophe der "Titanic", im April 1912, im nördlichen Eismeer erlebte er nach seiner Schilderung als Führer eines Rettungsbootes. Nach seiner Ankunft in New York wurde er in einem Seemannsheim untergebracht.

Am Anfang des 1. Weltkrieges 1914 kam er in ein Londoner Internierungslager für Deutsche. Er erkrankte an Malaria und kehrte erst 1919 nach Hause zurück.

Als Arbeiter in einer Papierfabrik sparte er Geld, um die Gaststätte "Liederhalle" in Gemmrigheim pachten zu können. 1950 wurde ein anderer Pächter eingesetzt. Fritz Zürn kaufte ein anderes Lokal und benannte es in "Café Titanic" um. In der Gaststube erhielten die Gäste durch ein nach seinen Angaben gefertigtes Ölgemälde einen Eindruck vom Untergang des Schiffes.

Die Schiffskatastrophe machte aus Fritz Zürn, einem früher lebenslustigen jungen Mann, einen verschlossenen, in sich gekehrten Menschen. Nur ungern berichtete er über das Unglück.

Viele Zeitungsartikel und sogar Artikelserien befassten sich mit dem Schiffsuntergang und den Erlebnissen von Fritz Zürn. In seinen letzten Lebensjahren schwieg Fritz ganz darüber. Nur seine Frau Luise erzählte auf Befragen der Gäste die dramatische Geschichte.